SPÖ Bezirksorganisation Wels

Möglichkeiten, wie du die SPÖ unterstützen kannst

Mitmachen

Faktencheck zu Kinderbetreuungsangeboten in Wels-Stadt und Wels-Land

1. März 2017

Faktencheck zu Kinderbetreuungsangeboten in Wels-Stadt und Wels-Land

Öffnungszeiten und Schließtage die größten Baustellen im Bezirk

Der Bedarf an Kinderbetreuung wächst in ganz Österreich. Öffnungszeiten und Schließtage sind an die Anforderungen berufstätiger Eltern anzupassen. Das garantiert eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Berufstätigkeit.

Dazu SP-Bezirksparteivorsitzende Vizebürgermeisterin Silvia Huber:

Wie aus dem 2016 veröffentlichten Frauenbericht der Stadt Wels hervorgeht, muss der Versorgungsgrad an Betreuungsplätzen für Kinder bis zu drei Jahren im Wohnumfeld erhöht werden. In Wels-Land sind Öffnungszeiten und Schließtage problematisch.“

Die SPÖ liefert auf Basis einer umfassenden Landtagsanfrage der Welser Abgeordneten Petra Müllner und Landtagspräsidentin Gerda Weichsler-Hauer Antworten auf die Frage, wo es Handlungsbedarf gibt.

Und so schaut es im Bezirk Wels/Wels-Land aus:

Bei den Krabbelstuben ist das Angebot in Wels-Stadt und Wels-Land unterdurchschnittlich. In Wels besuchten 2015/16 16,7% der bis 2-Jährigen eine Kinderbetreuungseinrichtung, in Wels-Land 19,2%. Damit liegen beide Bezirke 4,9 beziehungsweise 2,4 Prozentpunkte hinter Linz-Stadt, dem OÖ-Spitzenreiter mit einer Betreuungsquote von 21,6%. Im Landesdurchschnitt wird jedes siebte Kind (14,5%) dieser Altersgruppe in einer Krabbelstube betreut. Österreich-Durchschnitt: 25,5%.

Besser schaut es bei den Kindergärten aus: Betreuungsquote bei den 3- bis 5 Jährigen in Wels-Land 96,4% und in der Stadt Wels 93,3%. Oberösterreichweit ist Linz-Stadt mit 98,9% vorn, Landesdurchschnitt: 93,6%.

Vereinbarkeitsindikator für Beruf und Familie (VIF): Wels-Stadt ist bei Kindergärten die Nummer 1 in OÖ. Krabbelstuben in Wels-Land erfüllen die Kriterien nur unzureichend

Die Betreuungsquote allein sagt wenig über die Qualität der Kinderbetreuungseinrichtung aus. Als Qualitätssiegel werden daher die VIF-Kriterien der Statistik Austria herangezogen. VIF steht für Vereinbarkeitsindikator Beruf und Familie. Diesen Indikator erfüllen Kinderbetreuungseinrichtungen mit folgenden Kriterien:

In Wels-Stadt besuchen 80% der Kinder VIF-konforme Kindergärten. Damit ist Wels in OÖ. Spitzenreiter. Wels-Land kommt nur auf eine Quote von 19%. Im Landes-Durchschnitt besuchen 23% der betreuten Kinder von 3 bis 5 Jahren VIF-konforme Kindergärten. Noch extremer ist der Unterschied bei den Krabbelstuben: In Wels Stadt liegen wir bei einer VIF-konformen Quote von 30%, während diese in Wels-Land nur 3%! beträgt (Durchschnittswert in OÖ.: 29%).

Zu kurze Öffnungszeiten und zu viele Schließtage

Oberösterreichische Kinderbetreuungseinrichtungen (Krabbelstuben, Kindergärten und Horte) haben im Durchschnitt 28,1 Arbeitstage – also etwas mehr als fünfeinhalb Wochen – geschlossen. Mit dem Urlaubsanspruch eines arbeitenden Elternteils kann dieses hohe Ausmaß nicht abgedeckt werden.

Noch problematischer sind die knappen Öffnungszeiten: Nur 26,4% der Kinderbetreuungseinrichtungen haben länger als 9 Stunden pro Tag geöffnet. Damit liegt Oberösterreich auf dem letzten Platz im Bundesländervergleich.

Krabbelstuben sind in Wels-Stadt durchschnittlich 47,1 Wochenstunden geöffnet und in Wels-Land 34,6 Wochenstunden. Der Oberösterreich-Durchschnitt liegt bei 39,8 Stunden pro Woche. Zum Vergleich: Linz-Stadt 50,3 Wochenstunden, Bezirk Schärding 32,6.

Bei den Kindergärten wird die Rangliste der Öffnungszeiten von Wels-Stadt (52,7 Wochenstunden) vor Linz-Stadt (50,0) angeführt. In Wels-Land haben Kindergärten im Durchschnitt 42,5 Wochenstunden geöffnet. Der Landesdurchschnitt liegt bei 41,5.

Eine Auswertung des Familienministeriums hat ergeben, dass Oberösterreichs Kinderbetreuungseinrichtungen die kürzesten Öffnungszeiten von allen Bundesländern haben. Das schränkt insbesondere Eltern und Familien in ihrer Selbstbestimmung – auch was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht – deutlich ein.

SPÖ-Landtagsabgeordnete Petra Müllner betont:

Mir ist wichtig, dass jede Mutter und jeder Vater für sich selbst bestimmen können, ob sie arbeiten gehen oder nicht. Leider ist das derzeit in Oberösterreich nicht möglich, weil sich ein reguläres Beschäftigungsverhältnis von den Öffnungszeiten her nicht ausgeht. Die vielfach gewünschte Wahlfreiheit der Familien scheitert daher schon am fehlenden Angebot!“

Bei den Schließtagen der Krabbelstuben liegt Wels-Land mit 30,7 Arbeitstagen über dem Oberösterreich-Durchschnitt von 27,1 Tagen (ca. 5,5 Wochen). Arbeitskräfte haben jedoch im Schnitt nur 5 Wochen Urlaub im Jahr. Krabbelstuben sind in Wels-Stadt fast 5 Wochen geschlossen. Kindergärten haben in Wels-Stadt 13,9 Schließtage, Wels-Land: 27,9 Schließtage. Landesschnitt: 27,3 Tage .

Bessere Kinderbetreuung braucht bessere Landesförderung

Der große Nachholbedarf bei der Kinderbetreuung in weiten Teilen des Landes macht deutlich, dass es sich um kein Problem einzelner Gemeinden handelt. Man muss viel grundsätzlicher ansetzen und das derzeitige System der Landesförderung kritisch hinterfragen. Da bestehen immer noch Defizite bei der Randzeitenförderung, da werden qualitative Kriterien bei der Gruppenförderung nicht ausreichend berücksichtigt. Durch Pauschalabgeltungen zahlen insbesondere Gemeinden drauf, die erfahrenere und deshalb „teurere“ MitarbeiterInnen beschäftigen. Die finanziellen Lasten werden einfach zu ungleichen Teilen zwischen Gemeinden und Land geteilt.

Damit wir die Kinderbetreuung so ausbauen können, wie es sich die Familien vor Ort wünschen, brauchen wir deutlich mehr Unterstützung vom Land Oberösterreich. Das wäre aber kein verlorenes, sondern ein gut investiertes Geld“, so Petra Müllner.

„Sogar die Wirtschaftsforscher sind sich einig: Es gibt kaum eine wertvollere öffentliche Investition als Kinderbetreuung. Mit jedem investierten Euro wird eine Wertschöpfung von neun Euro geschaffen“, zitiert die SPÖ-Landtagsabgeordnete eine gemeinsame Studie der Universität Linz im Auftrag von Arbeiterkammer und Industrieellenvereinigung.

Der SPÖ-Landtagsklub hat deshalb auch eine Landtagsinitiative eingebracht, mit dem Ziel, die Kinderbetreuungsangebote in Oberösterreich auf das Niveau der Top-3-Bundesländer auszubauen. Derzeit führen Wien und Burgenland im Bundesländervergleich – Oberösterreich soll vom Nachzügler zum Spitzenfeld aufschließen.

Warum die Kinderbetreuungsangebote in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden sind, begründet LAbg. Müllner so:

Wir sind mitten in einem gesellschaftlichen Wandel. Die Omas, die früher auf die Kinder aufgepasst haben, sind heute oft selbst noch berufstätig. Außerdem werden die Familien mobiler, die Distanzen größer und deshalb wird der Bedarf für Kinderbetreuung sogar noch deutlich stärker ansteigen!“

Datenbasis: Kindergartenjahr 2015/16; Land Oberösterreich (Beantwortung der schriftlichen SPÖ-Anfrage), sowie Kindertagesheimstatistik der Statistik Austria

Fakten über die Personalsituation in Welser Kindergärten sind hier nachzulesen: https://stadt-wels.spooe.at/2017/03/01/verdacht-der-spoe-bestaetigt-personalsituation-in-welser-kindergaerten-verschaerft-sich/

Social Media Kanäle

Nach oben